Forschung

Höhlenforscher sollten über den Beitritt zum Bergungskosten-Solidaritätsfonds des VdHK nachdenken.

Höhlenkataster Pfalz/Saarland

Seit 1974 wird das Höhlenkataster 3 (Rheinland-Pfalz und Saarland) in unserer Gruppe geführt.

Zur Dokumentation der Höhlen gehören Beschreibung, Plan, Fotos, Befahrungsberichte sowie geologische, chemische und biologische Untersuchungsberichte.

Höhlen im Pfälzer Sandstein

Röhrenhöhlen

Um 1978 wurden die in den 1900er Jahren in der Literatur beschriebenen röhrenförmigen Höhlen am Rothenborn gefunden. Seither wird dieser bislang wenig bekannte Höhlentyp von der Höhlenforschergruppe Karlsruhe erforscht und dokumentiert.
Zum Thema ist Ende 2016 in den Mainzer gewissenschaftlichen Mitteilungen, Heft 44 eine umfassende Abhandlung von D.Dittrich : „Kugelfelsen und Röhrenhöhlen als besondere Phänomene des Pfälzer Buntsandsteins“ erschienen. MGM 44

Felsdächer und Kleinhöhlen

Seit 1974 werden Höhlenbildungen im pfälzischen Buntsandstein systematisch von uns erfasst. Die Hohlraumbildung geht von leicht ausräumbaren Schichten aus. Sie führt, örtlichen Bedingungen folgend, zu breiten, flachen Formen (= Felsdächer) oder aber schmalen, tiefen Formen der Ausräumung (= Kleinhöhlen).
Die überwiegende Zahl der heute zugänglichen Objekte ist geologisch relativ jung, meist erst einige 1000 Jahre alt und weniger langlebig als Vergleichbares im Kalk. Deshalb sind große Felsdächer und lange Höhlen selten. In der Sandsteinverwitterung wird, anders als im Kalk, unter aktuellen klimatischen Bedingungen nur das Bindemittel gelöst. Die Sandkörner selbst müssen dann mechanisch aus dem Hohlraum transportiert werden.

Studerbildschacht

Der Studerbildschacht gehört mit mehr als 50 Metern Tiefe zu den tiefsten natürlichen Schächten im Sandstein.

Die Höhle entstand durch die besonderen tektonischen Verhältnisse im Bereich des Oberrheingrabens. Dies steht im Gegensatz zu der Bildung der klassischen Karsthöhlen, die ihre Existenz überwiegend der Korrosion verdanken.

Wetzrillen

Unter zahlreichen Felsdächern finden sich bis 60 cm lange Gruppen von Rillen mit V-förmigem Querschnitt. Es handelt sich um künstlich hergestellte Strukturen, vor allem aus dem Mittelalter, aber auch aus früheren Zeiten, zu deren Herstellungsgründe es verschiedene Hypothesen gibt.

Weiter: wetzrillen.pdf

Künstliche Hohlräume

Die historische Wasserversorgung der Burgen und Gemeinden im Sandstein der Pfalz, der Vogesen und auch des Odenwalds ist seit vielen Jahren Gegenstand unserer Forschungen. Die erforschten Brunnenschächte, Wassersammel- und -fortleitungsstollen, Gänge und Kellersysteme werden fotografiert, vermessen und gezeichnet.

Wir beschäftigen uns auch mit der Erkundung und Vermessung historischer Eiskeller in Karlsruhe/Durlach.

Höhlen im Kalk der Umgebung von Karlsruhe

Karstphänomene im Kraichgau

In Ansätzen wurden Karsterscheinungen im Kraichgau, zwischen Karlsruhe und Pforzheim untersucht, so das Neue Eisinger Loch kurz nach seinem Einbruch, die Dolinenfelder bei Göbrichen und Stein. Mangels Beharrlichkeit blieb die Dokumentation in den Anfängen stecken, Potenzial ist vorhanden. Auch hier wurden durch Baumaßnahmen und Landwirtschaft manche Spuren zerstört.

Höhlen bei Stromberg / Hunsrück

Die Stadt Stromberg im Hunsrück liegt im Zentrum einer Kalklinse, entstanden aus einer von zahlreichen Inseln des Devonmeers. Die von Stromberg war die südlichste und ist die einzige, die im Katastergebiet Rheinland-Pfalz/Saarland, d.h. südlich der Mosel liegt. Hier kam es zu tief reichenden Verkarstungen. Durch alte und 2014 still gelegte Steinbrüche wurden mehrere Höhlen angeschnitten. Die längste dieser Höhlen liegt im ehemaligen Bogert'schen Steinbruch und wurde bislang auf knapp 400 Meter Länge vermessen.
Der von Westen in das Kalkgebiet einfließende Dörrebach versickert je nach Wasserführung in verschiedenen, unpassierbar engen Bachschwinden.

Schallsinger Höhle / Südschwarzwald

Die Schallsinger Höhle (Markgräfler Land, Südschwarzwald) wurde um 1940 in einem ehemaligen Kalksteinbruch angeschnitten und war zunächst bis zu einem Verbruch auf etwa 20 Meter Länge befahrbar. Die Dokumentation der Höhle wurde in den 1970er und 80er Jahren von unserer Gruppe mit der Öffnung des Verbruchs begonnen. In der näheren Umgebung der Höhle fand Bergbau statt, Pingen und zwei Stollen zeigen davon. Neben der Vermessung und Beschreibung der Höhle wurde auch recht aufwändig in einer mehrtägigen Aktion, teilweise bei Schneesturm, mittels Tachymeter-Polygonzug die Lage des Eingangs eingemessen. Nach unterschiedlicher Bewertung Vorgehensweise wurden die Arbeiten unterbrochen.
Heute forschen die Speläologischen Trogloxene, Markgräflerland in dieser oft recht engen Höhle, die überaus reich an Sinterschmuck ist.

Alpine Höhlen

Im Mai 1988 wurde von Mitgliedern des Vereins der Höhlenforscher Berner Oberland (VHBO) und der HFG-Karlsruhe sowie von Höhlenforschern aus Iserlohn im Sägistal die Internationale speläologische Arbeitsgruppe alpiner Karst ISAAK gegründet. Dieser Zusammenschluss von Hobbyforschern hatte sich zum Ziel gesetzt, durch Forschungslager während der schneefreien Zeit in den Sommermonaten in alpinen Karstregionen der Schweiz nach Höhlen zu suchen, diese zu vermessen und zu dokumentieren. Die Arbeitsgebiete liegen in der Gegend um den Brienzer und Thuner See.
Seit einigen Jahren nehmen keine Mitglieder der HFG mehr an diesen Forschungen teil.

Grabungen

Im August 1986 wurde unter Leitung von Dr. Engels (Amt für Vor- und Frühgeschichte Speyer) in der Kanzelfelsenhöhle an der Totenkopfstraße (Katasternummer 6614 / 26) eine dreitägige Suchgrabung durchgeführt. Gefunden wurden frühneuzeitliche Reste. Eventuell ältere Funde liegen unter einem massiven Deckenbruch in diesem Felsdach.

Gruppenmitglieder beteiligten sich zwischen 1980 und 1989 an der Ausgrabung einer mesolithischen Station in der Weidenthalhöhle bei Wilgartswiesen/Pfälzerwald. Die Grabung wurde von der Uni Köln durchgeführt, die Ergebinisse wurden 1992 publiziert (Erwin CZIESLA: Jäger und Sammler, Die mittlere Steinzeit im Landkreis Pirmasens, ISBN 3-929290-01-4).

Im Juni 1990 wurde im Zusammenwirken mit dem Landeskonservatoramt Saarbrücken in der Kleinen Eichertsfelsenhöhle (Katasternummer 6708 / 03) beim saarländischen Sankt Ingbert-Oberwürzbach gelegen, ein Suchschnitt bis auf den 2 Meter unter dem derzeitigen Bodenniveau liegenden Fels angelegt. In der zweiwöchigen Grabung wurden an der Sohle der Grabung Funde aus dem 13. Jahrhundert freigelegt. Vermutete, ältere Schichten konnten nicht nachgewiesen werden.

Im August 1999 wurde in einem zusammengebrochenen, verfüllten Kellergewölbe eines Hauses im Klosterbezirk von Hornbach (Pfalz) gegraben und dabei zahlreiche Funde, meist Keramik, aus der frühen Neuzeit gemacht. Nach vier Tagen mußte die Grabung aus Sicherheitsgründen allerdings abgebrochen werden, da das Kellergewölbe bei einem durch Archivunterlagen dokumentierten Brand im 17. Jahrhundert von Dachbalken erheblich beschädigt worden war.

Montanforschung

Wasserstandsmessung bei Trockenheit Wasserstandsmessung in einem Stollen Mit dem geplanten Ausbau der Erzgrube Nothweiler zum Schaubergwerk begann 1976 die Arbeit im pfälzischen Altbergbau. Später wurden die Obere Grube und der Tiefe Stollen am gleichen Bergrücken untersucht. Ab 1993 wurden die Forschungen auf den elsässischen Teil des Erzganges erweitert. Die Vermessungs- und Dokumentationsarbeiten dauern an.

Seit 2011 läuft eine Permanent-Wasserstandsmessung im Tiefen Stollen. Mit einer Ultraschall-Sonde wird der Abstand zum Wasserspiegel gemessen und auf eine Speicherkarte geschrieben. Erfasst werden Betriebszustand der Komponenten und die interne Temperatur. Korreliert werden Wasserstandsänderungen mit den Niederschlagaufzeichnungen der Regenmessstation Kläranlage Bundenthal.
Anlass war der sich seit dem Jahrtausendwechsel zu beobachtende, zunehmende Rückgang des unterirdischen Wassers. Selbst die ausgleichende und regulierende Wirkung des Waldes ist offenbar nicht mehr in der Lage, entstehende Defizite auszugleichen. An zahlreichen Stellen finden Pegelmessungen von Oberflächenwässern und Grundwasserständen statt, an wenigen Stellen jedoch wird ein Zusammenhang zwischen Niederschlag und unterirdischem Wässern erfasst. Das Meßsystem der Höhlenforschergruppe Karlsruhe erfasst mit hoher Auflösung untertägige Wasserstände.
Ausgehend von der Annahme, dass sich Regenereignisse mit einer Verzögerung im Stollen bemerkbar machen, ergibt sich ein kurzfristiger Einfluss auf den Wasserstand. Der langfristige Einfluss sollte eher jahreszeitlich bedingt sein. Es wird erwartet dass sich so Rückschlüsse auf Durchlaufzeiten und Speicherverhalten der lokalen Gesteine ermitteln lassen.

Dokumentiert und neuen und alten Risswerken zugeordnet werden die derzeit zugänglichen Grubenbaue, Versuche, Pingen, Halden und Schurfen im Donnersberg bei Imsbach, im Lemberg bei Niederhausen/Nahe in Stahlberg und im Landsberg bei Obermoschel untersucht.

Bei einigen der alten, wieder geöffneten Gruben wurden von unser Gruppe auf eigene Kosten Fledermaustore in den jeweiligen Eingangsbereich eingebaut, um so einerseits den Schutz von Natur und technischem Denkmal zu fördern, andererseits einen dauerhaften Zugang zu sichern.

Mardellen

Die Bezeichnungen Mare und Mardelle entstammen der französischen Sprache. Sie werden übersetzt mit Pfuhl, Tümpel, Pfütze. Pfuhl oder Puhl ist daher auch die bei Einheimischen am häufigsten zu hörende Bezeichnung, mit Mardelle konnten die meisten Befragten nichts anfangen. Mardellen finden sich in der Südwestpfalz auf Muschelkalkflächen. Diese liegen teilweise als Inseln auf den Hochflächen, in geringem Umfang an den Hängen der Kuppen. Mardellen liegen auf dem Kamm oder in den oberen, flacher geneigten Hängen der Kuppen des Hügellandes. Aber selbst in Bereichen, in denen die Muschelkalkschichten eine Mächtigkeit von 50 m und mehr Meter erreichen, finden sich Mardellen nur auf Kämmen und bis 15 Meter unterhalb der jeweils höchsten Lage. Selbst wenn die Muschelkalkdecken weniger als 10 Meter mächtig sind, finden sich noch Mardellen, so nördlich von Walshausen. Das nördlichste Vorkommen liegt in der Lindener Seiters nördlich von Weselberg.

Nach vielen Jahren und mehrfachen Ansätzen wurde im ausgehenden Winter 2011 die systematische Erfassung der noch vorhandenen Mardellen auf der südwestpfälzischen Hochfläche und benachbarten Gebieten begonnen. Diese Erfassung erfolgt günstigerweise, solange Bäume und Unterholz kein Laub tragen. Die systematischen Begehungen wurde Mitte April abgebrochen, aus mehreren Gründen:
- Die wassergefüllten Mardellen fielen zunehmend trocken.
- Fotos waren durch die teils dichte Belaubung des Unterholzes nicht mehr möglich.
- Der Bewuchs in den Mardellen beschleunigtes sich durch das warme Wetter.
Ansporn war die Aussage auf S. 67 der Erläuterungen zur Aktualisierung für Nutzer und Kartierer der Biotopkartierung Rheinland-Pfalz, Aktualisierungsphase 1992 bis 1997 …„ Die „Mardellen“ im Bitburger Gutland und Zweibrücker Westrich sind eventuell ehemalige Entnahmestellen von Lehm/Mergel. Die Angabe G 61-63 (Abgrabungen mit Gewässern) entfällt in diesen Fällen jedoch, da im Einzelfall selten belegbar. Eine vollständige Erfassung aller Kleingewässer ist im Sinne der Biotopkartierung (Übersichtskartierung) nicht praktikabel, die Kartierschwelle orientiert sich an den Gegebenheiten des jeweiligen Naturraumes. “

Bisher erfasst und größtenteils beschrieben wurden
413 Waldmardellen und
135 Feldmardellen, davon liegen
- in der Pfalz: 452
- im Saarland 42
- in Lothringen 54

Mardellen sind in der Westpfalz in ihrem Vorkommen an die Schichten des Unteren Muschelkalkes gebunden. Zur Entstehung der Mardellen wurde schon viel geschrieben und spekuliert. Für jede Theorie zu ihrer Entstehung gibt es ein Für und Wider. Eines läßt sich allerdings feststellen: Die Mardellen scheinen, wie andere Besonderheiten auch, der Betrachtung durch die Wissenschaft allenfalls in Teilaspekten wert. Es findet sich derzeit niemand, der den erforderlichen Aufwand einer grundsätzlichen Untersuchung finanziert. Anders ist die Lage in Lothringen, dort wurden im Zuge des Baus der Bahntrasse für den TGV-Est umfangreiche Untersuchungen entlang der Trasse durchgeführt, die Rahmen einer Dissertation im Jahr 2011 publiziert wurden.

David Etienne: Les mardelles forestières de Lorraine – Origine, signification paléo-écologique et gestion conservatoire des dépressions humides du Plateau Lorrain, fasst seine Forschungsergebnisse zusammen
… Geologische Untersuchungen und Ausgrabungen von Mardellen zeigen, dass ihre Verteilung nicht an das Vorhandensein von löslichem Materialien im Untergrund gebunden ist oder mit Karst zusammenhängt, ihrer Sedimentfüllung aus abdichtendem Mergel-Kalkstein Substrat an Ort und Stelle in Beziehung steht. Pollenanalysen und Radiokarbondatierungen zeigen, dass sie in einer offenen und dicht bevölkerten Landschaft entstanden sind, während der späten Eisenzeit oder frühen römischen Kaiserzeit legen eine Herstellung durch den Menschen nahe, aber sicherlich sind sie mit der landwirtschaftlichen Entwicklung dieser Gebiete verbunden. …

So scheinen Mardellen eher ein kulturhistorisches denn ein geologisches Phänomen zu sein. Erforschungs- und schützenswert sind die, die noch vorhanden sind auf jeden Fall.

Veröffentlichungen

Seit 1977 publiziert die HFG ihre Forschungsergebnisse in gebundener Form. Bisher sind 28 Hefte erschienen.

forschung/forschung.txt · Zuletzt geändert: 2018/05/18 23:46 von erich
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